 Schwanau-Allmansweier heißt ein beschaulicher Ort in der malerischen Region zwischen Baden-Baden und Freiburg. Im besten Hotel am Platz, dem Gasthof Erbprinzen, rühmt man sich, dass der deutsche Heimatdichter Heinrich Hansjakob während seiner Sommerfahrten hier abstieg. Das Zimmer kostet 40 Euro pro Nacht – samt Frühstück.
Doch nicht nur dafür ist der kleine Ort im Schwarzwald bekannt. Er ist bei Tunnelbauexperten in der ganzen Welt ein Begriff – für Großes: Die Herrenknecht AG baut hier ihre Tunnelbaumaschinen (TBM). Im heurigen Mai lieferte man das bisher größte Gerät der Welt nach China. Der Gigant hat einen Durchmesser von 15,43 Meter, ist 125 Meter lang und 2.300 Tonnen schwer. Die Maschine soll in Schanghai bis 2010 einen dreispurigen Autotunnel unter dem Jangtse-River buddeln.
Die Wettbewerber. Wer von Schwanau gute 400 Kilometer nach Norden fährt, findet das Städtchen Erkelenz. Punkto Unterkünfte stellt es Schwanau in den Schatten: Das Hotel am Weiher bietet eine Suite um 150 Euro pro Nacht. Ob die Tunnelvortriebsmaschinen, die hier von Wirth gefertigt werden, die Konkurrenzprodukte schlagen, wird sich bald weisen. Derzeit matchen sich Doppelschild-Maschinen von Wirth und Herrenknecht im spanischen Guadarrama. Beim Bau eines Hochgeschwindigkeitstunnels stehen sie im direkten Wettbewerb: Jeweils am Nord- und Südportal wurde gleichzeitig gestartet. Bis zur Gebirgsmitte soll sich zeigen, wer die Nase vorn hat.
In Kent im amerikanischen Bundesstaat Washington sieht man dem Wettbewerb in Spanien interessiert zu. Hier hat mit Robbins der dritte Hersteller von großen Tunnelvortriebsmaschinen seinen Sitz. 250 Stück haben die Amerikaner schon gefertigt. 34 Tunnelbau-Weltrekorde heften sie auf ihre Fahnen, einen Tagesrekord überlassen sie Wettbewerber Herrenknecht.
Unterirdische Fabriken. Die Maschinen der drei Hersteller sind fahrbare Fabriken unter der Erde. Sie arbeiten das Material ab, transportieren es über Förderbänder zu Verladeeinrichtungen und bauen oft gleich die Stützeinrichtung ein. Bei den Vollschnittmaschinen, die den gesamten Querschnitt des Tunnels in einem Zug abbrechen, unterscheidet man zwischen Tunnelbohrmaschinen und Schildvortriebsmaschinen. Tunnelbohrmaschinen brechen das Erdreich mechanisch ab und werden vor allem in tonigen oder lehmigen Böden eingesetzt.
Bei Schildvortriebsmaschinen befindet sich hinter der Schneid-einrichtung ein geschlossener Stahlzylinder, der so genannte Schild, der das Gebirge stützt. Damit können die Maschinen in nicht standfesten Böden eingesetzt werden. Schildvortriebsmaschinen sind meist speziell für den jeweiligen Tunnel konstruiert. Abhängig von den geologischen und hydrologischen Verhältnissen werden Erddruck- oder Flüssigkeitsschilder verwendet.
Einbetoniert. Oft wird unter extremen Bedingungen gearbeitet: Unterhalb des Jangtse-River in Schanghai, wo die Herrenknecht-Maschine den Autobahntunnel bohrt, herrschen beispielsweise Wasserdrücke von bis zu 6,5 bar. Solche Extremeinsätze werden den Giganten nicht immer gelohnt. Eine Tunnelvortriebsmaschine oder zumindest ihre von Hightech-Elementen befreiten Reste sind im Kanaltunnel zwischen Frankreich und England neben den Bahngeleisen für alle Ewigkeit einbetoniert. Der Abtransport wäre zu teuer gekommen.
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